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Praxistest: Nokia 6110 Navigator

 

Praxistest: Nokia 6110 Navigator

Datum:
14. 11. 2007
Redakteur:
Stefan Schomberg
 

Wohin führt ein GPS-Handy, das sich selbstbewusst mit dem Beinamen "Navigator" schmückt? Wir haben uns vom finnischen Pfadfinder 6110 leiten lassen.

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Lieferumfang / Verarbeitung

Schon der erste Blick in den Karton macht eines deutlich: Egal ob in weiß oder in schwarz-grau, das Navigationswunderwerk ist mit 2 cm Dicke weder besonders schlank, noch mit 125 Gramm besonders leicht geraten. Schlank ist nur der Lieferumfang, denn Befestigungsmaterial für die Installation im Auto oder ein KFZ-Ladekabel fehlen. Auch die 512MB große Speicherkarte kann nur sehr begrenzt für eigene Daten genutzt werden, befindet sich doch auf ihr die Navigationssoftware samt Kartenmaterial - damit sind bereits 380 MB belegt.

Praxistest: Nokia 6110 Navigator
Praxistest: Nokia 6110 Navigator

Aus Sicht der Verarbeitungsqualität ist der Ersteindruck erschreckend: hohe Spaltmaße zwischen Grundgehäuse und Verschalung, wackelige Seitentasten, ein knarziger Akkudeckel, der nur dank seiner Flexibilität beim Öffnen nicht zerbricht, klapperige Abdeckungen für Gehäuseöffnungen und ein kratzanfälliger Aluminium-Überzug für die Kamera lassen den Blutdruck steigen. Glücklicherweise kann man nach einiger Zeit der intensiven Beanspruchung aufatmen: alles am 6110, insbesondere der harte Kunststoff erweist sich als robuster als befürchtet. Über das Design lässt sich indes streiten. Mit den erwähnten Proportionen wirkt das Schiebehandy eher plump als edel, einige Details wie Luftfilter-ähnliche Lautsprechergrätings und die bereits erwähnte pompöse Kamerabdeckung verstärken dieses standhafte Reise-Image. Apropos Slider: Hier ist jede Angst vor Qualitätseinbußen unbegründet, der Schiebemechanismus gleitet straff und äußerst präzise in die vorgesehene Position.

Praxistest: Nokia 6110 Navigator

Für ein Navigationsgerät erscheint das Display etwas klein, letztendlich werden dank einer Auflösung von 240x320 Pixel aber nicht weniger Informationen als etwa auf dem finnischen Flaggschiff N95 dargestellt. Scharfe Konturen und gute Farbtiefe geben sich auf dem 6110 ein Stelldichein, eine transflexive Beschichtung lässt die Inhalte selbst bei starkem Sonnenlicht klar hervor treten. Die Tastatur ist allerdings etwas klein ausgefallen und reicht bis direkt an die Sliderkanten. In Verbindung mit einem etwas laschen Druckpunkt und der mangelnden fühlbaren Unterscheidbarkeit prädestiniert das den Navigator nicht gerade zum beständigen Nachrichtentippen. Einen Pluspunkt sammelt das GPS-Handy bei der Tastaturbeleuchtung. Dank Lichtsensor wird die nämlich automatisch bei Dunkelheit aktiviert. Das spart Akkuleistung und klappt auch während der Navigation, die dann automatisch in den Nachtmodus wechselt.

Ausstattung

Praxistest: Nokia 6110 Navigator
Praxistest: Nokia 6110 Navigator

Ganz klar: in der Navigation liegt der Ausstattungsschwerpunkt des 6110, das sich hier auch keine Blöße gibt. Nach einem Druck auf die Taste mit der Windrose startet das Handy den Navigationsmodus und findet in weniger als einer Minute die aktuelle Position - in der Regel klappt das sogar in weniger als 20 Sekunden. Diesen deutlichen Fortschritt gegenüber dem zähen Verhalten eines N95 verdankt das 6110 der Nutzung der GSM-basierten Näherung AGPS und einer von Nokia selbst entwickelten GPS-Firmware. Die funktioniert im Zusammenspiel mit der Route66-Software so gut, dass man kaum glauben mag, gerade von einem Handy durch den Straßenverkehr geleitet zu werden. Streckenplanungen gelingen dank eines übersichtlichen Menüs reibungslos, Ansagetexte ertönen gut verständlich und vor allem früh genug aus dem Lautsprecher und die Streckenführung klappt tadellos. Auch vor Neuberechnungen infolge abweichender Streckenführung durch Baustellen oder ähnlichem Unbill braucht man keine Angst zu haben, das erledigt das 6110 überraschend schnell und sicher. Dank vieler Komfortfunktionen wie etwa einer Simulation der zu fahrenden Route spricht das 6110 auch ehemalige Besitzer von „echten“ Navis an. Bei allem Lob soll aber nicht unerwähnt bleiben, dass das 6110 zwar selten, aber doch hin und wieder während der Fahrt abstürzte. Offenbar belastet die Kombination aus laufender Navigation und anderen Funktionen wie dem Musikplayer das Herz des tapferen Navigators dann doch zu stark. Dafür ist die Navi-Einheit komplett in die Telefonfunktionen eingebunden. Mit einem Klick steuert das Handys die Postadresse eines Telefonbuchkontaktes an; POIs oder der derzeitige Standort können darüber hinaus an Personen mit gleichem Gerät verschickt werden und erleichtern so die gegenseitige Wegfindung.

Praxistest: Nokia 6110 Navigator

Ebenfalls punkten kann das Schiebehandy mit einer überraschend guten Kamera. Zwar verteilen sich auf ein Bild in höchster Auflösung „nur“ 1600x1200 Bildpunkte (ca. 2 Megapixel), doch dank guter Bildschärfe und natürlicher Farbwiedergabe wirken die recht hochwertig. Wie auch beim S60-Gerät 6120 classic gelingen Panoramabilder durch einen langsamen Schwenk mit ruhiger Hand und beeindrucken mit großem Blickfeld auf dem entstandenen Bild. Leider sinkt die Bildqualität im Nachtmodus oder generell bei schlechter Beleuchtung deutlich und stört entstandene Fotos mit starker Artefaktbildung. Da das 6110 den Schwerpunkt zweifelsfrei auf Navigation legt, geht der mit 320x240 Pixeln aufgelöste Videomodus noch als gut durch und erreicht akzeptable 15 Bilder pro Sekunde. Das reicht naturgemäß aber nur für den MMS-Spaß zwischendurch.

Das Handy versteht sich auch aufs Abspielen von Musik, hier in erster Linie auf MP3s, AACs bzw. M4As von iTunes und WMA-Dateien. Klanglich gibt der Player Songs gut an die Ohren weiter. Dazu nutzt er entweder das mitgelieferte Kabelheadset (wird über 2,5mm Klinke angeschlossen), ein A2DP-fähiges Bluetooth-Headset oder den überaus kräftigen Außenlautsprecher. Coverarts sind hingegen eine Sache für sich. Zwar kann das 6110 diese darstellen, allerdings erweist sich der Transport auf das Handy als unerklärlich schwierig.

Dank des MiniMap/KHTML-Browsers, der normale HTML-Webseiten problemlos darstellen kann und in der aktuellen Version auch für die Ansteuerung von WAP-Push-Links zuständig ist, fällt das Internetsurfen in Verbindung mit der S60-Oberfläche recht leicht und ist dank HSDPA auch ziemlich flott. Dank diverser Komforteinstellungen wie z.B. einer Seitenverkleinerung wird das Surfen auf dem kleinen Display deutlich erleichtert. Selbstverständlich können auch Emails von POP- oder IMAP-Postfächern abgerufen werden, allerdings gehört das 6110 nicht zur Eseries und lässt dementsprechend einen übersichtlichen Mailclient und PushMail-Unterstützung vermissen. Trotzdem gilt: wer nicht täglich Emails schreibt und mit Abstrichen an Komfort leben kann, wird mit dem Messaging auf dem Navigator ganz sicher glücklich.

Praxistest: Nokia 6110 Navigator

Im PIM-Bereich bleiben dank S60-Oberfläche kaum Wünsche offen: mit 42 unterschiedlichen Feldern kann man mehr als genügend Details zu den einzelnen Kontakten speichern. Einige der Funktionen wirken allerdings wenig durchdacht, so findet der versierte Nutzer zwar eine SIP-Adresse vor, kann sie mangels VoiP-Client oder WLAN-Conectivity aber kaum nutzen. Der Organizer im finnischen Pfadfinder profitiert ebenfalls von S60: wie gewohnt können dort übersichtlich diverse Aufgaben und Termine festgehalten werden und erleichtern so den Alltag. Verweilt man z.B. eine Sekunde auf einem Tag in der Monatsansicht, zeigt ein kleines Popup-Fenster alle Betreffzeilen der an diesem Tag anliegenden Termine an. Darüber hinaus liefert der Office-Viewer Futter für die Businessuser. Unterstützend stehen Helferlein wie Taschen-, bzw. Einheitenumrechner, Weltzeituhr und ein Wecker mit mehreren frei definierbaren Weckzeiten, Schlummerfunktion und einer Anzeige für die bevorstehende Länge der Nachtruhe zur Verfügung. Timer und Stoppuhr fehlen nach wie vor.

Als HSDPA-Funker verrichtet das 6110 sein Werk im UMTS-Netz und nutzt Frequenzen von 850 bis 1900MHz, sodass man auch in Amerika und Asien erreichnbar bleibt. Lokal steht neben dem mitgelieferten USB-Kabel auch die Bluetooth-Schnittstelle bereit, die Daten über den schnellen EDR2.0-Standard funkt und dabei auch das für manchen Autofahrer wichtige SIM-Access Profil und sogar Audio-Streaming via A2DP kennt. Letztgenanntes funktioniert übrigens herausragend und lässt kaum Unterschiede zu den ebenfalls guten Kabelohrstöpseln erkennen. Mit Hilfe der PC Suite können Musik oder Bilder ausgetauscht oder Kontakt-, bzw. Kalenderdaten abgeglichen werden. Wer allerdings nicht mit dem PC, sondern lieber drahtlos mit Onlineservern synchronisiert, freut sich über die SyncML-Unterstützung.

Telefonfunktionen / Ausdauer

Praxistest: Nokia 6110 Navigator
Praxistest: Nokia 6110 Navigator

Die Bedienbarkeit leidet etwas unter jener chronischen Krankheit, die sich wie eine Epedemie auf allen S60-Handys verbreitet hat - Diagnose: Unübersichtlichkeit aufgrund der Ausstattungsflut. Die Menüs sind dermaßen verschachtelt, dass man sich auf der Suche nach einer Spezialfunktion mitunter gnadenlos in den Tiefen des Betriebssystems verirrt. Kleiner Rettungsanker: viele Menüeinträge können frei nach eigenem Gusto verschoben werden. Die Aufbereitung der wichtigsten Informationen gelingt dagegen überzeugend: Statusanzeigen, Schnellzugriffe und anstehende Aufgaben, sind so intuitiv auf dem Startbildschirm angeordnet, dass sie schon nach kurzer Zeit nicht mehr gemisst werden wollen.

Ein interessantes, wenngleich auch nicht zwingendes Feature ist die Möglichkeit, sich den Namen des Anrufers per Sprachausgabe ankündigen zu lassen. Zumindest spart das manch fummeliges Kramen in der Tasche. Anders herum funktioniert das übrigens auch recht gut: dank Sprachsteuerung fällt das „Wählen“ mitunter um einiges leichter. Zusätzlich kann das 6110 sogar Nachrichten vorlesen, eingehende SMS stellen somit selbst auf der Autobahn kein Problem dar. Punkten kann der finnische Slider auch bei der Empfangs- und Sprachqualität. Zwar klingen Gesprächspartner bisweilen etwas hell, sind aber klar und deutlich zu verstehen. Besonderes Lob verdient die Freisprechmöglickeit und die damit verbundene Videotelefonie, da der Außenlautsprecher aufgrund seiner Funktion als richtungsweisender Ansager ungewohnt hohe Lautstärke erreicht. Der Akku muss dagegen vor den Ansprüchen eines Fullsize-Navigators kapitulieren, er streckt etwas zu schnell alle Viere von sich. Ohne Extrazubehör wie einem KFZ-Ladekabel schweigt der elektronische Wegweiser bereits nach 3,5 Stunden; das ist deutlich zu wenig. Nur wer die GPS-Funktion kaum in Anspruch nimmt, wird mit Standbyzeiten von etwa einer Woche belohnt.

Fazit

In Handys verpackten Navigationssystemen haftet nicht selten das Vorurteil der Unzuverlässigkeit an - ob man sie nun für träge, unpräzise oder halbherzig hält. Nokias 6110 beweist in Verbindung mit dem Routenplaner Navteq/Route66 das Gegenteil, denn dieses Handy hält, was es verspricht und bringt einen sowohl im baustellenverseuchten Großstadtdschungel als auch abseits der Piste souverän zum Ziel. Als Navigationsersatz eignet sich dieses Handy uneingeschränkt - wenn man beherzigt, dass der Akku mit dem Wegweiser nicht Schritt halten kann und sich entsprechend mit Zubehör eindeckt. Wegführung steht beim 6110 zwar im Vordergrund, doch das heißt keineswegs, dass dieses Handy nicht auch als Business-Smartphone herhalten kann: zuverlässiger HSDPA-Funk, ein mit GPS-Informationen ausbaubares Adressbuch, ausgereifte Synchronisationslösungen und gut funktionierende Messaging-Funktionen machen das Handy zu einem universell einsetzbaren Begleiter, der in Verbindung mit einem Notebook zur Höchstform aufläuft. Da sieht man gerne über den einen oder anderen verarbeitungstechnischen Mangel, eine mittelmäßige Kamera oder einen etwas zu simplen MP3-Player hinweg. Wer sich häufig fragt, wie er von Bar X über Cafe Y zu Party Z kommt, findet mit diesem Gerät ein konkurrenzloses Helferlein für Beifahrersitz oder Innentasche.

Den ausführlichen Praxis-Test gibt es bei Areamobile

 

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