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Praxistest: LG KU990 Viewty

 

Praxistest: LG KU990 Viewty

Datum:
17. 01. 2008
Redakteur:
Stefan Schomberg
 

Es sieht aus wie eine echte Digicam, fotografiert wie eine echte Digicam und ist dennoch viel mehr. Des Öfteren (zu Unrecht) als iPhone-Killer hochstilisiert, muss sich das 5-Megapixelhandy LG KU990 Viewty an harter Konkurrenz messen lassen.

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Lieferumfang / Verarbeitung

Edle Glanzpappe, einzeln in Minischachteln verpacktes Zubehör und eine clevere Falttechnik machen schon den Lieferkarton zu einem Augenschmeichler. Beim Inhalt sieht's allerdings - zumindest in einem Punkt - anders aus: eine Speicherkarte fehlt. Dabei muss man sich vor Augen halten, dass ein Viewty-Foto in höchster Auflösung bereits einen Megabyte in Anspruch nimmt. Der interne Speicher von 110 MB ist da schnell vollgelaufen.

Das Design des Viewty überzeugt auf ganzer Linie. Betrachtet man die Rückseite, wird man an eine herkömmliche Digitalkamera erinnert. Groß und imposant ragt die Linse mit dem deutlich erkennbaren Schriftzug von Qualitätshersteller Schneider-Kreuznach einige Millimeter aus der lackierten Metalloberfläche heraus. Das sieht nicht nur gut, sondern auch äußerst wertig aus. Daran ist auch die dunkle Farbgebung nicht ganz unschuldig - zusammen mit den seitlich umlaufenden Chromleisten und den hochwertigen Materialien entsteht ein nahezu perfekt gestaltetes Mobiltelefon. Hinzu treten hohe Verarbeitungsstandards, lediglich die Rückklappe aus Aluminium fällt bei Betätigung des Öffnungsmechanismus etwas leicht vom Handy, sitzt sonst aber passgenau.

Praxistest: LG KU990 Viewty
Praxistest: LG KU990 Viewty

Auf der Frontseite domminiert der große Touchscreen mit 240x400 Bildpunkten und etwa 262.000 Farben. Gründe zum Meckern findet man hier keine: Farbintensität, Helligkeit und Bildschärfe gehen problemlos als sehr gut durch. Eine mechanische Tastatur sucht man freilich vergebens, die ist auf jeweils eine Taste für Rufannahme, Auflegen und Löschen geschrumpft. Das Viewty wird in erster Linie über den Touchscreen bedient. Die Vorteile werden spätestens beim Schreiben einer SMS deutlich: statt einer handyüblichen Zifferntastatur kann man in einigen Anwendungen auch auf eine vollwertige QWERTZ-Tastatur zurück greifen. Und wie beim iPhone muss man dann nicht mit einem Stylus herumstochern, sondern tippt mit bloßen Fingern. Das macht sich ganz vorzüglich, obwohl man erst einmal skeptisch wegen der scheinbar zu kleinen Tasten ist. Praktisch: über eine Vibration erhält der Nutzer bei jeder Eingabe Feedback.

Ausstattung

Glanzstück des Viewty ist natürlich die Kamera. Fünf Megapixel, Xenonblitz, Bildstabilisator und wahlweise manueller Fokus verpflichten fast schon zu guten Bildergebnissen. Und die werden auch geliefert, selbst wenn nicht alles Gold ist, was glänzt. Fotos bieten bedingt durch die hohe Pixelanzahl einen hohen Detailgrad; auch Bildhelligkeit, Schärfe und Farbwiedergabe gehen in Ordnung. Allerdings neigen scharfe Kanten zum Ausfransen und hin und wieder werden Farben - vor allem rot - verfälscht dargestellt.

Größtes Manko jedoch: da die Bildhelligkeit über das Sucherzentrum in der Bildmitte bestimmt wird, werden Bilder bei bestimmten Lichtverhältnissen stark über- oder unterbelichtet. Auch der Bildstabilisator hält nicht, was er verspricht. Trotz aktiviertem Verwacklungsschutz war etwa die Hälfte der geknipsten Bilder unscharf. Der manuelle Fokus funktioniert hingegen tadellos und kann wie bei einer "echten" Digitalkamera durch einen Drehkranz um die Linse herum verstellt werden. Ob das ohne optischen Zoom überhaupt Sinn macht, ist allerdings eine andere Frage.

Der Videomodus überzeugt auf ganzer Linie. Er erlaubt Aufnahmen in VGA-Auflösung und schafft damit ordentliche Qualität. Lediglich bei schnellen Schwenks treten die bekannten Unschärfen auf, allerdings fällt das nicht stark ins Gewicht. Abgesehen von den normalen Videos bietet LG ein einzigartiges Feature: Zeitlupenaufnahmen. Mit bislang ungeschlagenen 120 Bildern pro Sekunde nimmt das Viewty gewünschte Szenen auf und spielt sie anschließend extrem verlangsamt wieder ab. Die entstandenen Sequenzen eröffnen etwa dem Betrachter eines aufprallenden Wassertropfens durch die Linse des Viewty Einblicke in einen völlig neuen Mikrokosmos, auch wenn die Auflösung auf 320x240 reduziert wird.

Bei den Musikfunktionen hat LG hingegen gespart. Zwar hat der koreanische Hersteller an ein Radio gedacht, vergeblich sucht man hingegen nach Klangpresets oder einem Equalizer, auch die Optik ist mehr als nüchtern. Zwar kommt das Viewty mit vielen Dateiformaten von MP3 bis WMA klar, DRM-geschützte Dateien ließen sich jedoch nicht zum Wechsel aufs Handy überreden. Positiv fällt hingegen der integrierte DivX-Player auf. Der ermöglicht es endlich, Filme, die sonst auf der Festplatte des heimischen Rechners verstauben, auch mobil auf dem Handy zu genießen. Und dank des für ein Handy riesigen Displays ist das Wort "genießen" auch tatsächlich gerechtferteigt. Keine Frage, das ist eine großartige Alternative zu MP3, Radio&Co. Natürlich müssen entsprechende Videofiles erst umgerechnet werden, um auf dem Handy genutzt werden zu können. Dafür legt LG einen DivX-Converter bei, mit dem das problemlos funktioniert.

Beim Thema Internetzugang patzt LG. Der Browser erreicht trotz UMTS und HSDPA bisweilen nur an ein 56K-Modem erinnernde Geschwindigkeiten und stellt HTML-Seiten nicht immer vollständig dar. Geschwindigkeitsprobleme tauchen demzufolge auch bei integrierten Anwendungen wie Google Maps auf, wo die Ladezeiten beim Bewegen auf der Karte nach kurzer Zeit stören. Emails stellen das HSDPA-Handy ebenfalls vor Herausforderungen. Beim Test eines IMAP-Postfaches stürzte das Viewty des Öfteren ab, POP-Konten wurden immerhin anstandslos verkraftet.

Ebenfalls Geschwindigkeitsprobleme - wenn auch anders verursacht - werden etwa bei der ruckeligen Einblendung des Schnellmenüs sichtbar. Die Leistungsüberprüfung mittels JBenchmark offenbarte mit ihren mageren Ergebnissen, dass ein überfordeter Prozessor im Handy seinen Dienst verrichtet. Immerhin hat es LG geschafft, Multitasking-Probleme erfolgreich zu umgehen. Gleichzeitiges SMS-Schreiben und Musikhören funktioniert tadellos. Auch bei den PIM-Funktionen gibt sich das Viewty keine Blöße. Mit einem übersichtlichen Kalender und mannigfaltigen Datenfeldern bei der Personalisierung der Kontakte bleiben nur wenige Wünsche offen. Einer ist allerdings gravierend: auf dem Handy dürfen maximal 500 Kontakte und 300 SMS abgelegt werden - viel zu wenig für eine ernsthafte Nutzung.

Zu niedrig ist auch die Übertragungsgeschwindigkeit der beiliegenden LG PC Suite. Zwar klappt die Synchronisation von Kontakten sowie Kalendereinträgen via Bluetooth (inklusive A2D-Profil) oder USB-Datenkabel reibungslos, will man allerdings Daten kopieren, sollte man viel Zeit einplanen. Träge 10 Sekunden (!) benötigt 1 MB (also ein Foto in höchster Auflösung), um vom Handy auf den PC überzuwechseln. Umgehen lässt sich das nur, indem man das Viewty im Massenspeicher-Modus mit dem PC verbindet und Daten per Windows Explorer verschiebt. Das klappt allerdings nur bei eingelegter microSD-Karte.

Telefonfunktionen / Ausdauer

Die Bedienung ist der größte Schwachpunkt des Viewty. Es beginnt mit einem träge und nur auf großen Druck reagierenden Touchscreen, der den Nutzer anstelle des beigefügten, nicht ins Gerät integrierbaren Stylus mitunter einen Hammer herbeiwünschen lässt. Hinzu tritt die verwirrende Tatsache, dass das Viewty zwei Menüstrukturen aufweist: die eine soll ein Schnellwahlmenü darstellen und lässt somit etliche Unterpunkte vermissen, die im "normalen" Menü unter den gleichen Menüpunkten auftauchen. Dennoch wird der Zugang zum Browser auch nur von 3 auf 2 Klicks reduziert. Am Ende stehen zahllose kleine Unzulänglichkeiten wie etwa ein Musikplayer, der erst umständlich in den Hintergrund geschaltet werden muss, da ansonsten das große stromfressende Display über die gesamte Musikwiedergabe hinweg aktiviert bleibt. Vermisst haben wir auch eine Sprachwahl oder -steuerung.

Im Falle des Viewty kann man ruhigen Gewissens von einer guten Sprach- und auch Empfangsqualität sprechen. Lediglich die Lautstärke hätte höher ausfallen können. Gesprächspartner sind aber für gewöhnlich gut verständlich und klingen natürlich, Gesprächsaussetzer sind selten und selbst bei schlechtem Empfang reißt das Gespräch nicht ab. Zwar verliert das Viewty schneller als andere Modelle das Netz, es findet die Verbindung aber auch schnell wieder. Die Akkuleistung ist hingegen in der unteren Mittelklasse angesiedelt. Zwar weist der Lithium-Ionen Akku mit 1000 mAh eine auf dem Papier ausreichende Leistung vor, in der Praxis macht das Viewty jedoch schnell schlapp. Selbst bei mäßiger Nutzung ist schon nach drei Tagen Schluß, bei intensiver Knipserei schrumpft die Ausdauer noch weiter zusammen.

Fazit

The Beauty and the Beast, beides in einer Person. Das ist das Viewty. Es bietet viele gute Ansätze, ohne bis auf wenige Ausnahmen irgendetwas wirklich gut zu können. Angefangen beim großen Touchscreen, der nur träge reagiert über einen Internetbrowser, der trotz HSDPA eher an ein 56K-Modem erinnert, bis hin zu einer verqueren Bedienlogik bietet sich ein schwaches Bild, das den Erwartungen an ein Highend-Handy nicht zu entsprechen vermag. Einziger Lichtblick ist die Kamera, die mit einigen Innovationen wie Zeitlupenaufnahme oder manuellem Fokus wenigstens einige Kohlen wieder aus dem Feuer holen kann. Vielleicht sollte sich LG ein Beispiel am cleveren Werbespruch eines Schokoladenherstellers nehmen: Wir stecken kein Geld in die Werbung, sondern lieber in das Produkt. Dann hätte das Viewty der Hit werden können, den seine Gene verheißen.

Den ausführlichen Praxis-Test gibt es bei Areamobile

 

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